Federico Fellini plante seine Filme auf dem Papier. Er schrieb nicht nur - er zeichnete auf seinem Skizzenblock. Und hatte er diesen mal nicht dabei, so nahm er sich einen Ersatz, egal ob es eine Serviette, eine Speisekarte oder der Untersetzer für sein Weinglas war. Seine gezeichneten Ideen waren für ihn wichtiger als Drehbücher, an die er sich meistens nicht hielt.

Der erste Maitre des Grand Hotel, der schon seit 30 Jahren dort arbeitet, sagte einmal: „Fellini saß immer in der gleichen Ecke in der Hotelhalle. Gleich wenn man von der Terrasse hereinkommt links, und meistens hielt er einen Block in der Hand, auf dem er unentwegt zeichnete.“

Das Zeichnen war ja schon als Kind sein Hobby, später verdiente er damit Geld. Als Fellini nach Rom kam, arbeitete er zusammen mit Rinaldo Gèleng. Sie portraitierten Restaurant-Besucher, zeichneten für Wochenzeitschriften und betrieben ab 1942 ein Zeichen-Studio namens „The Funny Face Shop“. Als Fellini sich dem Film zuwandte, blieb Gèleng beim Zeichnen und wurde später Fellinis Produktionsdesigner.

Aber auch Fellini gab das Zeichnen nie auf, er kritzelte all seine Gedanken und Träume auf diese Art nieder. Szenerien, Charaktere, Gesichter und Kleidung für seine Filme entwarf er immer auf dem Papier und versuchte diese, haargenau in die Realität umzusetzen. Vergleicht man hinterher die Zeichnungen mit den Filmen, so kann man sich kaum vorstellen, dass die Zeichnungen zuerst da waren, so sehr ähneln sich Entwurf und Wirklichkeit.

Fellini sagte einmal über seine Arbeitsweise: „Immer, wenn ich einen neuen Film anfange, verbringe ich die meiste Zeit am Schreibtisch und tue nichts anderes als Ärsche und Titten hinzukritzeln.“ Wenn man sich mal seine Zeichnungen anschaut, sieht man, dass diese beiden Körperteile sowie das männliche Geschlechtsteil eine große Rolle spielen. Oft wurden sie übertrieben dargestellt. Aber auch Gesichter zeichnete er überspitzt. Schließlich war er früher mal Karikaturist. Fellinis Striche sind knapp und einfach gehalten, aber trotzdem lebhaft und voller Ausdruckskraft.

Fellinis wertvollstes Talent war seine visuelle Phantasie, die Quelle seiner Träume. Sie regte ihn zum Zeichnen an und war der Nährboden für seine Filme. Der Bleistift in der Hand regte seine Phantasie noch mehr an, erst dann konnte er seine Gedanken vollenden. So waren Fellinis Gedanken und seine Hand in Inspiration und Kreation verbunden.